Wer nur die Zähne putzt, reinigt rund zwei Drittel der Oberfläche. Das letzte Drittel liegt zwischen den Zähnen – und genau dort beginnen die meisten Probleme.
Warum ausgerechnet die Zwischenräume?
Die Zahnbürste kommt an die Außen-, Innen- und Kauflächen gut heran. Zwischen zwei benachbarten Zähnen berühren sich die Zahnflächen jedoch, und dort haben die Borsten keine Chance. Es entsteht eine geschützte Nische, in der Beläge ungestört liegen bleiben.
Die Folgen sind vorhersehbar: Karies zwischen den Zähnen wird oft erst spät entdeckt, weil man sie von außen nicht sieht. Und Zahnfleischentzündungen beginnen fast immer am Übergang zwischen zwei Zähnen. Bleiben sie bestehen, kann daraus eine Parodontitis werden – die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter.
Interdentalbürste oder Zahnseide?
Für die meisten Menschen ist die Interdentalbürste die bessere Wahl, überall dort, wo sie hineinpasst. Sie reinigt großflächiger, ist einfacher zu handhaben und wird deshalb erfahrungsgemäß auch regelmäßiger benutzt.
Zahnseide bleibt sinnvoll, wo die Zähne sehr eng stehen und keine Bürste hindurchpasst – häufig im Frontzahnbereich. Oft ist die Kombination am sinnvollsten: Bürste hinten, Seide vorn.
Die richtige Größe ist entscheidend
Interdentalbürsten gibt es in vielen Stärken, und die Zwischenräume sind im selben Mund unterschiedlich groß. Eine zu kleine Bürste reinigt nicht, eine zu große verletzt das Zahnfleisch. Deshalb lohnt es sich, die passenden Größen einmal in der Praxis bestimmen zu lassen – wir machen das im Rahmen der professionellen Zahnreinigung und geben Ihnen die Größen schriftlich mit.
So gehen Sie vor
- Die Bürste ohne Gewalt in den Zwischenraum einführen – sie soll leichten Widerstand spüren lassen, aber nicht klemmen.
- Zwei- bis dreimal vor- und zurückbewegen. Nicht drehen und nicht ruckartig ziehen.
- Zum nächsten Zwischenraum weitergehen. Auch hier hilft eine feste Reihenfolge, damit keiner ausgelassen wird.
- Bei Zahnseide: das Stück Seide sanft am Zahn entlang bis unter den Zahnfleischrand führen und dabei c-förmig um den Zahn legen – nicht mit Schwung hineinschnappen lassen.
Einmal täglich genügt. Am besten abends, weil über Nacht weniger Speichel fließt und Beläge dann am meisten Schaden anrichten. Ob vor oder nach dem Zähneputzen, ist zweitrangig – Hauptsache, es passiert überhaupt.
„Es blutet – soll ich aufhören?“
Das ist die häufigste Frage zu diesem Thema, und die Antwort lautet: nein, im Gegenteil.
Blutendes Zahnfleisch ist kein Zeichen dafür, dass man zu grob war, sondern dafür, dass dort eine Entzündung besteht. Gesundes Zahnfleisch blutet bei sachgerechter Reinigung nicht. Wer die Stelle nun meidet, verstärkt das Problem.
In aller Regel lässt die Blutung nach etwa einer Woche konsequenter Reinigung deutlich nach. Bleibt sie bestehen oder blutet es großflächig, sollten Sie das abklären lassen – dann steckt möglicherweise mehr dahinter als eine oberflächliche Entzündung.
Kurz gefasst: Einmal täglich, am besten abends. Interdentalbürsten wo möglich, Zahnseide wo es zu eng ist. Größe in der Praxis bestimmen lassen. Blutung ist ein Grund weiterzumachen, nicht aufzuhören.