Das Zahnfleisch – Recall & Parodontitis
Gesundes Zahnfleisch ist die Basis für gesunde Zähne. Parodontitis – die Entzündung des Zahnhalteapparates – ist die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter und steht in Zusammenhang mit Herzerkrankungen, Diabetes und anderen Allgemeinerkrankungen.
Dr. Liane Kruse hat einen Schwerpunkt in der Parodontologie und begleitet Sie von der Diagnose bis zur langfristigen Nachsorge (UPT) gemäß den aktuellen S3-Leitlinien.
- Parodontaler Screening-Index (PSI)
- Systematische Parodontitis-Behandlung
- Professionelle Zahnfleischbehandlung (Kürettage)
- Antibiotikaunterstützte Therapie bei schwerer Parodontitis
- Unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT / Recall)
Die stille Erkrankung
Parodontitis tut lange nicht weh. Genau das macht sie so tückisch. Während Karies sich früh mit Ziehen oder Klopfen meldet, arbeitet der Abbau des Zahnhalteapparats über Jahre im Verborgenen. Viele Betroffene merken erst etwas, wenn Zähne sich lockern – dann ist bereits ein erheblicher Teil des Knochens verloren, der sie gehalten hat. Und verlorener Knochen wächst nicht von allein nach.
Der Ablauf ist immer ähnlich: Bakterien sammeln sich am Zahnfleischrand und bilden einen Belag. Das Zahnfleisch entzündet sich, blutet beim Putzen und zieht sich zurück. Zwischen Zahn und Zahnfleisch entstehen Taschen, in denen sich weitere Bakterien ansiedeln – dort, wo Zahnbürste und Zahnseide nicht mehr hinkommen. Der Körper reagiert auf die dauerhafte Entzündung, indem er Knochen abbaut.
Diese Entzündung bleibt nicht auf den Mund beschränkt. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes – wobei die Wechselwirkung in beide Richtungen geht: Ein schlecht eingestellter Diabetes begünstigt Parodontitis, und eine behandelte Parodontitis kann helfen, die Blutzuckerwerte zu stabilisieren. Bei Schwangeren wird zudem ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten diskutiert. Deshalb behandeln wir Zahnfleisch nicht als kosmetisches Thema.
Woran Sie es erkennen
Je früher eine Parodontitis auffällt, desto einfacher lässt sie sich aufhalten. Diese Zeichen sollten Sie ernst nehmen:
Zahnfleischbluten
Blut beim Putzen oder beim Gebrauch von Zahnseide ist kein Zeichen dafür, dass Sie zu fest putzen – sondern fast immer ein Entzündungszeichen. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht.
Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
Gesundes Zahnfleisch ist blassrosa und liegt straff am Zahn an. Dunkelrote, aufgelockerte Ränder sprechen für eine Entzündung.
Mundgeruch
Anhaltender Mundgeruch, der sich durch Zähneputzen nicht dauerhaft beseitigen lässt, kann aus entzündeten Zahnfleischtaschen kommen.
Länger wirkende Zähne
Zieht sich das Zahnfleisch zurück, liegen Zahnhälse frei. Die Zähne wirken länger und reagieren oft empfindlich auf Kälte.
Locker werdende Zähne
Ein spätes Zeichen. Wenn Zähne wandern, sich lockern oder sich der Biss verändert, ist der Knochenabbau schon fortgeschritten.
Erhöhtes Risiko
Rauchen, Diabetes, familiäre Veranlagung und Stress begünstigen den Verlauf. Bei Rauchern blutet das Zahnfleisch übrigens weniger – die Erkrankung bleibt dadurch oft länger unentdeckt.
So läuft die Behandlung ab
Die systematische Parodontitis-Therapie folgt den aktuellen S3-Leitlinien und ist seit 2021 unter bestimmten Voraussetzungen Kassenleistung.
- Screening (PSI). Mit einer stumpfen Messsonde prüfen wir die Zahnfleischtaschen. Das tut nicht weh und dauert wenige Minuten. Der Parodontale Screening-Index zeigt, ob und wie stark eine Erkrankung vorliegt.
- Ausführlicher Befund. Bestätigt sich der Verdacht, messen wir jeden Zahn an mehreren Stellen und erfassen Blutungspunkte und Lockerungsgrade. Röntgen zeigt den Knochenverlauf.
- Vorbehandlung und Aufklärung. Zunächst werden alle Beläge oberhalb des Zahnfleischs entfernt und die Mundhygiene geschult. Dieser Schritt entscheidet über den Erfolg der eigentlichen Therapie – ohne ihn kommen die Bakterien zurück.
- Reinigung der Taschen. Unter örtlicher Betäubung werden die Wurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischs von Belägen befreit. Das geschieht schonend mit Hand- und Ultraschallinstrumenten.
- Kontrolle des Heilungsverlaufs. Nach einigen Wochen messen wir erneut. Meist hat sich das Zahnfleisch deutlich beruhigt und die Taschen sind flacher geworden.
- Weiterführende Maßnahmen bei Bedarf. Bleiben einzelne tiefe Taschen bestehen, kann ein kleiner chirurgischer Eingriff oder eine begleitende antibiotische Therapie sinnvoll sein. Das entscheiden wir befundabhängig, nicht routinemäßig.
- Unterstützende Therapie (UPT). Die entscheidende Phase: In festen Abständen werden Zahnfleischtaschen kontrolliert und gereinigt. Ohne diese Nachsorge kehrt die Erkrankung zurück – mit ihr lässt sie sich dauerhaft in Schach halten.