Zähneputzen lernt jeder als Kind – und die meisten machen es ihr Leben lang so weiter, wie sie es sich damals angewöhnt haben. Dabei entscheidet weniger die Kraft als die Systematik darüber, ob am Ende alle Flächen sauber sind.
Zweimal täglich, zwei Minuten – und dann?
Die Empfehlung ist bekannt: morgens und abends jeweils zwei Minuten. Sie stimmt auch. Nur sagt sie nichts darüber aus, welche Flächen in diesen zwei Minuten sauber werden. Die meisten Menschen putzen unbewusst immer dieselben Stellen gründlich und lassen dieselben Stellen aus – typischerweise die Innenseiten der Unterkiefer-Backenzähne und die Außenseiten oben hinten.
Der wirksamste Kniff ist deshalb kein Produkt, sondern eine feste Reihenfolge. Wer immer am selben Punkt beginnt und immer denselben Weg durch den Mund nimmt, vergisst nichts. Zum Beispiel: außen von hinten links nach hinten rechts, dann innen zurück, dann die Kauflächen. Klingt banal, verändert aber messbar das Ergebnis.
Die richtige Technik: führen statt schrubben
Kräftiges horizontales Schrubben fühlt sich gründlich an, ist aber kontraproduktiv. Es reinigt die Zahnzwischenräume nicht und trägt auf Dauer Zahnsubstanz am Zahnhals ab – die typischen keilförmigen Defekte, die dann kälteempfindlich werden.
Besser ist eine sanfte Bewegung vom Zahnfleisch zum Zahn, bei der die Borsten leicht in den Übergang gestellt werden. Bei elektrischen Bürsten entfällt die Bewegung ganz: Dort führt man den Bürstenkopf nur langsam von Zahn zu Zahn und lässt das Gerät arbeiten. Aufdrücken bringt nichts – viele Modelle warnen sogar davor.
Handzahnbürste oder elektrisch?
Beides funktioniert. Mit einer Handzahnbürste lässt sich hervorragend putzen, wenn die Technik stimmt. Elektrische Bürsten nehmen einem die Technik allerdings weitgehend ab, und genau darin liegt ihr Vorteil: Sie verzeihen mehr. Wenn Sie sich für eine entscheiden, achten Sie auf einen kleinen Bürstenkopf und einen Andruckstopp.
Wichtiger als die Bauart ist der Härtegrad: weiche bis mittlere Borsten reichen völlig aus. Harte Borsten reinigen nicht besser, schaden aber Zahnfleisch und Zahnhälsen.
Zahnpasta: auf das Fluorid kommt es an
Der wirksamste Bestandteil jeder Zahnpasta ist Fluorid. Es lagert sich in die Zahnoberfläche ein und macht sie widerstandsfähiger gegen Säure. Für Erwachsene sind Pasten mit 1.000 bis 1.500 ppm Fluorid Standard – die Angabe steht auf der Tube.
Bei Kindern richtet sich die Menge nach dem Alter; hier gelten eigene Empfehlungen, die wir bei den Vorsorgeterminen individuell besprechen. Ein weit verbreiteter Irrtum betrifft das Ausspülen: Nach dem Putzen den Schaum ausspucken, aber nicht kräftig mit Wasser nachspülen. Sonst wird das Fluorid gleich wieder weggewaschen.
Von stark abrasiven „Weißmacher“-Pasten raten wir bei täglicher Anwendung ab. Sie entfernen Verfärbungen mechanisch und tragen dabei auch Zahnsubstanz ab. Wer mit der Zahnfarbe unzufrieden ist, fährt mit einer professionellen Aufhellung besser.
Der richtige Zeitpunkt
Eine Frage, die uns oft gestellt wird: direkt nach dem Frühstück putzen oder davor? Die Antwort hängt davon ab, was auf dem Tisch stand.
Nach säurehaltigen Speisen und Getränken – Orangensaft, Obst, Softdrinks, Wein – ist der Zahnschmelz vorübergehend aufgeweicht. Putzt man sofort, trägt man ihn mechanisch ab. Warten Sie in dem Fall etwa 30 Minuten. Spülen mit Wasser oder ein Stück zuckerfreier Kaugummi überbrücken die Zeit gut.
War das Frühstück nicht sauer, spricht nichts gegen sofortiges Putzen. Wer es einfach halten will: vor dem Frühstück putzen, danach nur mit Wasser spülen.
Was oft vergessen wird
Drei Dinge fallen im Alltag regelmäßig hinten runter:
- Die Zahnzwischenräume. Etwa ein Drittel der Zahnoberfläche erreicht die Bürste gar nicht. Genau dort entstehen die meisten Kariesstellen und Zahnfleischentzündungen. Wie das richtig geht, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.
- Die Zunge. Auf dem Zungenrücken sitzt ein erheblicher Teil der Bakterien im Mund. Ein Zungenreiniger oder die Rückseite der Bürste, einmal täglich sanft von hinten nach vorn, macht einen spürbaren Unterschied – gerade beim Thema Mundgeruch.
- Der Bürstenwechsel. Spätestens alle acht bis zwölf Wochen, früher wenn die Borsten sich spreizen. Nach einem fieberhaften Infekt lohnt sich ein Wechsel ebenfalls.
Kurz gefasst: Zweimal täglich zwei Minuten, weiche bis mittlere Borsten, fluoridhaltige Zahnpasta, feste Reihenfolge, nach dem Putzen nicht kräftig nachspülen – und einmal täglich die Zahnzwischenräume.